Neue R2-Serie: Eine "Femme Fatale" im R2-Gebiet
Warum französische Frauen so dünn sind
Von Tiphaine Bernicot für R2-Blogger
Foto: (c) Michael Frey, Lizenz
Hmh... Gummibärchen! Gehört zu den Grundnahrungsmitteln der Femme Fatale Tiphaine Bernicot.
Dortmund/Paris. Wer von Euch hat noch nie eine Diät angefangen? Und vor allem erfolgreich zu Ende gebracht? Oder nie daran gedacht? Na? Naaa…? Keiner meldet sich? Ich bin mir sicher, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung schon daran gedacht hat, abzunehmen, mittendrin steckt oder es im besten Fall hinter sich hat.
Auf dem Weg zu meinem Wunschgewicht
Ich gebe zu, ich habe mich monatelang regelmäßig einer Gruppe von Frauen (und Männer, ja…) angeschlossen, jeden Dienstagabend Treffen um 19 Uhr, in einem Altenheim. Bereits nach dem ersten Treffen habe ich die Hoffnung aufgegeben, mein Vorgehen geheim zu halten: Dort traf ich auf unsere Babysitterin, unsere Nachbarin, mehrere Kindergartenmütter… die halbe Welt halt. Es kostete viel Geld, viel Geduld, aber es half! Ich nahm ab und bekam sogar irgendwann eine kleine goldene Karte, weil ich so tapfer mein Wunschgewicht über mehrere Wochen hielt. Dieses kleines Stück Papiergold besitze ich immer noch, leider ist die Zahl, die draufsteht (mein Wunschgewicht!) längst wieder zum Ziel geworden…
Und ich frage mich, wie es dazu kommen konnte. Ich hatte mir doch hoch und heilig versprochen, mein Leben lang drei Mal die Woche zu trainieren, jeden Tag darauf zu achten, drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu essen, mindesten zwei Liter Wasser zu trinken, Treppe statt Aufzug, abends vor dem Fernseher Kohlrabi statt Chips, und, und, und…
In den Osterferien sind wir mit der Familie nach Paris gefahren, eine Wohnung gemietet, wohl bemerkt mit Waschmaschine UND Spülmaschine! Es soll Frauen geben, die nicht darauf achten und ihren Ehemann diese Aufgabe übertragen... Ja, habe ich irgendwo gelesen…
Deutschland hat mich 20 Kilogramm schwerer gemacht
Wir haben das Auto in einer Garage geparkt und sind immer mit der Metro gefahren, der französischen U-Bahn. Fast jeder Pariser fährt damit. Und so ergaben sich für mich genügend Gelegenheiten, die weibliche Bevölkerung zu beobachten. „Vor einigen Jahren war ich eine von ihnen“, dachte ich mit Wehmut und Trauer. „Ich war auch so schlank, so schick…“. Nun saß ich da, mit meinen drei Kindern, meinem Tchibo-Wintermantel, wind- und wasserfest, mit den gefütterten Winterstiefeln, mit Felleinsatz, abnehmbar je nach Laune und Outfit, ebenfalls von Tchibo, meiner Wollmütze (nicht von Tchibo!!). Ja, es war bitterkalt. Und meinen 15 Kilogramm Übergewicht.
Seit ich in Deutschland lebe, habe ich um die 20 Kilogramm zugelegt. Mein Körper ist zwar durch drei Schwangerschaften gegangen und mit den Jahren natürlich nicht mehr so jungenhaft und knackig wie vor 15 Jahren. Aber meine in Frankreich gebliebenen Freundinnen haben (zumindest unter dem Schutz ihrer Klamotten…) die gleiche Figur wie damals, trotz Kindern. Warum ich nicht, verdammt!!!
Manche sagen: Es sind die Gene… Haben die französischen Frauen ein kleines zusätzliches Gen, das durch deren Körper rumflitzt, mit Baskenmütze und Baguette unterm Arm und die fiesen Kalorien killt? NEIN!! Und ich habe sowieso kein einziges französisches Gen in mir… Andere behaupten, es läge an die Ernährung: Der Hauptbestandteil der französischen Küche ist Butter… Also da auch: NEIN!!
Vergesst alle Diäten!
Nach einer Woche quer durch Paris mit der Metro fahren habe ich die Antwort… Vergesst all‘ die diversen Diäten, die der Markt so anbietet: Frauenzeitschriften wissen nicht immer alles. Imakeyousexy.com… datt glaubt doch sowieso keiner! „Sie verlor 35 Kilogramm Bauchfett in nur einer Woche!“ - Ich lach‘ mich tot! Ihr braucht das Buch „Warum französische Frauen nicht dick werden“ von Mireille Guiliano gar nicht zu kaufen… Französische Frauen und Mütter gehen arbeiten, Vollzeit. Und das ist die Lösung! „Ja, watt getzt?“, denkt Ihr!
Ich erklär´s Euch.
Ich habe überlegt, was mich von meinen Freundinnen unterscheidet und welches Leben ich führen würde, wenn ich immer noch in Frankreich leben würde. Die Antwort war eindeutig.
Ich würde Vollzeit arbeiten gehen. Trotz Kindern. Ich würde nicht mehr im Schneckentempo durch den Westfalenpark gehen (meine Schnecke, die das Tempo angibt, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, hat ihre beiden Beine in Gips und kann sich daher nur sehr langsam bewegen… Also quasi „Nulltempo“…), sondern durch die Gänge der Metro jeden Morgen und jeden Abend einen Marathon mit Höchstgeschwindigkeit hinter mich bringen.
Keine Gummibärchen, keine Minibrezeln
Ich würde die Kinder beim Mittagsessen nicht mehr im Stehen „begleiten“ (zum selbst essen fehlt mir meistens die Zeit), sondern morgens schnell einen Kaffee inhalieren auf dem Weg zur Krippe, um dann später eine volle Stunde Mittagspause zu machen und mein ausgewogenes Essen schön langsam kauen, damit es besser verdaut werden kann.
Ich würde nachmittags keine Ausflüge mehr machen, mit sechs verschiedenen Plastikdosen mit kleingeschnittenen Äpfeln, Gurke, Gummibärchen und Minibrezeln, die ich aufessen muss (naja, Äpfel und Gurke machen nicht dick, aber Gummibärchen auf Dauer schon…), sondern weiter durch die Gänge meines Büros laufen und somit Kalorien verbrauchen, statt zu bunkern.
Ich würde mich nicht mehr mit praktischen Sachen bekleiden müssen, die fleckenresistent sind und bei 60 Grad waschbar, sondern mich in enge Kostüme und Seidenblüschen zwängen müssen.
Ich würde weiterhin unter 50 Kilogramm wiegen!
Eins ist mir jetzt klar geworden: Schuld an meinen Übergewicht ist die deutsche Regierung!
Aus Paris in das zauberhafte Ruhrgebiet
Tiphaine Bernicot (Foto) ist Französin mit asiatischen Wurzeln. Die es allerdings bereits vor etlichen Jahren nach Deutschland, genauer gesagt in R2-Gebiet, verschlagen hat. Hier lebt die junge Frau mit ihrem deutschen Ehemann und ihren Kindern und berichtet als die neue R2-Kolumnistin über ihr Leben als „Femme Fatale". Und zeigt uns die Unterschiede zwischen deutscher und französischer Lebensart, zwischen Paris und Dortmund, zwischen Labello und Lippenstift.
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Kommentare
Voila!
Viele Grüße,
Brenda
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