Mountainbiking: Antje Kramer, siebenfache Downhill-Meisterin, will achten Titel
Meisterin der steilen Abfahrten
Von Lilian Muscutt für R2-Sportskanone
Foto: Frank Bartsch
Die 42-jährige Antje Kramer gilt vielen als Deutschlands weibliche Downhill-Ikone.
Hattingen. Durch den leisen Sommerwald zieht ein Rauschen. Vögel singen, Sonnenstrahlen funkeln im Blätterdach, tanzen über das Laub. Das Rauschen wird lauter, kommt näher, immer näher. Jetzt. Hinter einer Kurve schnellt eine Gestalt auf einem Mountainbike hervor, den Körper eingehüllt in Schutzkleidung, springt – und saust weiter. Wer in diesem Sekundenbruchteil die Fahrerin erkannt hat, weiß: Antje Kramer (42) ist wieder unterwegs. Deutschlands weibliche Downhill-Ikone.
Die Extremsportlerin trainiert in einem Waldstück für die deutschen Downhill-Meisterschaften, die am 24. Juli 2011 in Bad Wildbad stattfinden. „Das ist mein wichtigstes Rennen für diese Saison.“ Die 42-Jährige will sich den Titel erkämpfen – zum achten Mal. Denn seit 2003 ist Antje Kramer Deutschlands Nummer eins im Downhill. Ende 2009 nominierte das „mountainbike rider magazine“ die Hattingerin neben drei weiteren Profi-Fahrern zum „Mountainbiker des Jahres“. Als einzige Frau. Von einer „Mountainbikerin des Jahres“ war nicht die Rede. Die Sportdisziplin wird von Männern dominiert wie kaum eine andere.
Jedes Jahr stand die Sporterlin auf dem Siegertreppchen – bis auf den Wettkampf in der Saison 2010, als Antje Kramer aufgrund einer Verletzung nicht antreten konnte. Konkurrentin Harriet Rücknagel holte sich 2010 den Titel. Guter Grund, in diesem Jahr besonders hart zu trainieren, um den Titel zu erkämpfen.
Foto: Frank Bartsch
Antje Kramers Downhill-Bike ist rund 18 Kilo schwer - und ein Sportgerät, in dem einen Menge Hightech und Know-how in Materialwissenschaften steckt.
Das hätte mächtig daneben gehen können: "Aber - der war gut!"
Durch die warme Sommerluft schiebt Antje Kramer ihr knapp 18 Kilo schweres Downhill-Bike die legale Übungsanlage hinauf, der knallig-bunte Vollvisier-Helm, auf dem pinkfarbene Sonnen lachen, baumelt am Lenker. Die Schalthebel in Metallic-Rosa leuchten. Die Profi-Fahrerin hält inne und deutet auf den Hügel, über den sie eben in hoher Geschwindigkeit elegant hinweg gefegt ist, als sei es das Einfachste auf der Welt. „Mensch, Kramer!“, schimpft sie über sich selbst mit einem Augenzwinkern. Heute Morgen um sechs Uhr die Nachtschicht beendet, dann sechs Stunden Schlaf, und jetzt gleich aufs Ganze gegangen! „Kalt“, ohne Aufwärmübung, sei sie gesprungen. Das hätte mächtig daneben gehen können. „Aber“, sagt sie, und ein Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus, „der war gut!“ Freude blitzt in ihren strahlend-blauen Augen hervor. Lebenslust, geballte Energie versprüht die athletische Frau mit den weiß-blonden Haaren.
Video: YouTube
Downhill-Mountainbiking ist ein Sport für harte Kerle - und harte Frauen wie Antje Kramer, die sich durch nichts aufhalten lassen.
Energie und Lebensfreude sind wohl Schlüssel zu ihrem Erfolg. Antje Kramer hat sich den steilen Weg zur Anerkennung hart erkämpft. Die sportbegeisterte Frau, die schon als Kind mit dem Kanu wilde Gewässer erkundete, später mit Ski oder Snowboard über Pisten jagte oder als Windsurferin Wellen bezwang, entdeckte spät ihre Leidenschaft für den Mountainbikesport. Erst Ende der 90er Jahre kaufte sie sich ihr erstes Mountainbike. Auf Touren hinterließen ihre Waghalsigkeit und Schnelligkeit bei kniffeligen Abfahrten Eindruck. Ihr damaliger Mann, selbst Downhillfahrer, ermutigte sie, an Rennen teilzunehmen. Von da an war Antje Kramer besessen von dem Sport, nahm an einem Hobby-Rennen nach dem nächsten teil. Die Konkurrenz war dürftig. Selbst in der Hobby-Klasse gingen kaum Frauen an den Start, dafür Hunderte von Männern. „Mein Antrieb war der Gedanke: Wir Frauen können das genauso wie die Männer. Ich werde euch zeigen, dass wir das können.“
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