Aus dem Nähkästchen einer "verzweifelten Hausfrau"
Wenn Klimakterium auf Kleinkind trifft
Von "Brenda van Kamp" für R2-Mein Leben
Foto: © Filip B, Lizenz
Mutter und Kind. Eine friedliche Einheit. Leider jedoch nicht immer. Manchmal ist Mutterschaft doch ganz schön anstrengend.
Rhein-Ruhr. "Brenda van Kamp", gut ausgebildet und Mitte 40, hat gefunden, wonach Großstadtsingles noch suchen: Mann, Kinder, Sicherheit und ein gemütliches Heim in einem bürgerlichen Vorort. Wären da nicht die Tage, an denen sie sich fragt, ob ihr Leben nicht auch anders laufen könnte. Die Tage einer "verzweifelten Hausfrau". Heute denkt sie über die Kombination Klimakterium und Kleinkind nach. Hat Vorteile. Aber natürlich auch Nachteile.
Über 40? Und Lust auf das erste Baby?
Sie sind über 40 und haben noch Kinderwunsch? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Viele Frauen heute haben erstmal ihre Prioritäten auf Ausbildung, beruflichen Aufstieg, Reisen und was auch immer gelegt, bevor sie sich dann, kurz vor Toresschluss, doch noch der Familienplanung zuwenden.
Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, Sie gehören nicht zu einer Risikogruppe. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Partnerschaft scheitert, ist sowieso signifikant höher als die Wahrscheinlichkeit, Probleme in Schwangerschaft und Geburt zu erleiden. Die pränatale Diagnostik füllt nur Ihrem Gynäkologen die Taschen und ist zudem so laut für das Baby wie ein Presslufthammer.
Nun, wie auch immer Sie sich entscheiden, sollten Sie ihr Augenmerk im Vorfeld hierauf legen: Die Konsequenzen einer späten Schwangerschaft für Ihr weiteres Leben. Auch wenn Sie sich noch in der Blüte Ihres Lebens fühlen, wird es auch Sie einholen: das Klimakterium! Na ja, Klimakterium haben nur die anderen, man selbst leidet ja lediglich an PMS. Wenn Ihr Gynäkologe Ihnen Mönchspfeffer verschreibt, ist es soweit: Sie sind drin!
Endlich gibt es eine Erklärung für die komischen Wutanfälle, die Ihren Mann in schöner Regelmäßigkeit aus dem Hause treiben. Endlich wissen Sie, warum Sie auf einmal unbedingt auf ü30 Partys gehen müssen, um Ihren Marktwert zu testen und endlich wissen Sie, wieso Ihre Taille trotz strenger Diät einfach nicht mehr wiederkommen will. Und dann haben Sie zeitgleich ein wunderbar trotzendes Kleinkind zu Hause. Wie viele meiner Bekannten.
Mutterschaft ist Höchstleistung
Kein Wunder, dass die polnische Frau ihre Kinder am liebsten mit 17 kriegt. In so jungen Jahren haben Sie einfach die meiste Energie und sich mit Kindern auf dem Teppich zu wälzen ist auch kein Problem, da es ja noch nicht lange her ist, dass sie es selbst gemacht hat. Mit 35 hat sie die Kinder groß und kann das Leben erstmal richtig genießen (und sich aus anderen Gründen auf dem Teppich wälzen).
Während deutsche Akademikerinnen sich dieser Höchstleistung von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft zeitgleich mit dem Abstieg der körperlichen Leistungsfähigkeit stellen. Östrogen macht Sie in jungen Jahren sanftmütig und fürsorglich, also perfekt, um ein kleines wildgewordenes Monster zu betreuen. Mit spätestens 45 ändert sich der Hormonspiegel dann langsam und Ihre Geduld neigt sich dem Ende zu.
Wie gut, dass Männer in diesem Alter das Umgekehrte erleiden: ihr Testosteronspiegel sinkt. Sie werden sanftmütiger, geduldiger. Ihr beruflicher Weg ist eingeschlagen, die Karriere vielleicht in der Sackgasse. Perfekt für einen Rollenwechsel. Viele meiner Freundinnen treten die Verantwortung für ihr so heiß ersehntes und doch so anstrengendes Kind dann erleichtert und still an ihren Partner ab.
Insofern hat diese späte Mutterschaft dann doch Vorteile für uns Frauen. Sie haben Ihre biologische Uhr zum Schweigen gebracht und können sich die Aufzucht des Sprösslings gerecht mit dem Kindsvater teilen. Und bis zur Pubertät sind Sie in Rente. Denn was geschähe, wenn Klimakterium auf Pubertät träfe? Das erzähle ich Ihnen dann beim nächsten Mal.
"Verzweifelte Hausfrau" im R2-Gebiet
"Brenda van Kamp", Mitte 40 und gut ausgebildet, ist dort, wo viele Großstadt-Singlefrauen noch hin möchten: Ehemann, Kinder, ein gemütliches Zuhause. Und eigentlich glücklich. Wären da nicht die Tage, an denen sie alles in Frage stellt und über ein alternatives Leben nachdenkt. Die "verzweifelten Tage", an denen ihr bewusst wird, wie trügerisch Sicherheit sein kann. Wie sich das anfühlt, schreibt die "verzweifelte Hausfrau" unter ihrem Pseudonym "Brenda van Kamp" für die R2-Bettkante auf.



