Ein kulinarischer Ausflug durch die koreanische Küche

In der Karte stand „mild“- aber alles, was ihr hier in rot sehen könnt, ist Chilipaste! Übrigens auch ein schönes Beispiel für noch eine andere typische Eigenart in Korea: das Essen wird direkt am Tisch zubereitet… je nach Preis des Restaurants vom Personal oder vom Gast selbst :-).

Das finde ich super…denn frischer geht es wohl kaum. Egal ob diese ultrascharfe Hähnchenpfanne, der Klassiker „Bulgogi“ oder auch eines der Highlights „Korean BBQ“- das frische Braten/Grillen direkt am Tisch gehört einfach dazu. Super!

Und keine Sorge: An die Schärfe gewöhnt man sich.

Und wenn ICH das sage…das vorher größte Schärfe-Weichei…dann schaffen andere das vermutlich mit links. Gestern waren wir mittags vietnamesisch essen (in Korea etwa so „exotisch“ wie bei uns ein Teller Pasta) und ich habe ohne mit der Wimper zu zucken das wahrscheinlich schärfste Gericht der Karte gegessen. Aber das wirklich spannende Essen gibt es nicht in Restaurants, sondern auf den Straßen und Märkten der Stadt. Nicht häufig verirren sich Touristen dorthin… ich glaube, ich habe mich an einigen Stellen herumgetrieben, wo die Standbesitzer erst sehr selten einen Europäer gesehen haben.

Kein Wunder- in Seoul leben nur etwa 1% Ausländer. Bei zehn Millionen Menschen sind das zwar immer noch 100.000, aber verglichen mit den Quoten in anderen Metropolen (Berlin: fünfzehn %, Frankfurt sogar 25%) ist es halt verschwindend wenig. (Übrigens: von den einhundert Ausländern sind etwa sechzig Chinesen und zwanzig Amerikaner… ihr könnt euch also vorstellen, WIE selten man einen Europäer trifft).

Aber selbstverständlich schauen auch die Koreaner nach links und rechts ihrer Küche… und auch nach Amerika und Europa, entsprechend wilde Mischungen gibt es. Die traditionelle koreanische Küche brauche aber keine modernen „Superfoods“, denn sie ist eigentlich sehr gesund. Zum Hauptgericht mit Fleisch, Reis oder Nudeln gibt es verschiedenste Gemüsebeilagen, die sich nicht selten gegenseitig in ihrer Schärfe überbieten. Von Kimchi – dem wohl bekanntesten Koreanischen Gericht- habt ihr sicher schon mal gehört- jede Hausfrau hier kann den fermentierten Kohl zubereiten und jede macht ihn etwas anders. Hauptsache scharf!

Aber es gibt noch mehr Beilagen, die zu einem koreanischen Hauptgericht nicht fehlen dürfen, süß-sauer eingelegter Rettich zum Beispiel…ultralecker. Erinnert ein bisschen an Honiggurken und hilft prima, den scharfen Geschmack etwas zu „löschen“. Man darf ja nicht vergessen, dass die traditionelle Küche hier keine Milchprodukte kennt.

Oder die scharfen Frühlingszwiebeln- super zu gegrilltem Fleisch: Dann gibt es noch diese getrockneten Anchovis, die eher wie ein Gewürz funktionieren: Und jetzt mein Beilagen Highlight: Der wohl beste Kürbissalat der Welt! Absolut passend für den europäischen Gaumen wird der Kürbis gekocht, püriert und dann werden ebenfalls gekochte Kürbisstücke untergehoben. Das Ganze wird gewürzt und mit Nüssen und Rosinen (oder -„neu und westlich“- mit Cranberries) vermengt. Grandios! Gibt es hier übrigens schon zum Frühstück! Ahja, überhaupt… Frühstück: Also da bin ich doch mittlerweile echt ins Grübeln gekommen…während in anderen europäischen Ländern schlicht andere Dinge gefrühstückt werden als bei uns (ob nun das „Full English Breakfast“, Croissant oder was auch immer), wird hier das Konzept, dass es besondere „Frühstückslebensmittel“ gibt, völlig auf den Kopf gestellt.

Ehrlich gesagt, hab ich mir früher nie Gedanken dazu gemacht, weswegen wir Müsli frühstücken, aber Pasta zu Mittag essen? Weshalb wir morgens Brot essen, aber keinen Reis? Und weshalb Obst, aber keinen Salat?

Gewohnheit und Erziehung, denke ich mal. Nunja, hier in Korea isst man klassisch einfach das, was man den restlichen Tag auch isst, und so kann ich so oft ich mag meine Lieblingsbeilage frühstücken…und Kimbap, das ist die koreanische Antwort auf Sushi…mit Fleisch oder gekochtem Fisch :).

Auch DimSum, Salate, Reis, Algensuppe, Kimchi oder andere Spezialitäten gibt es morgens…aber nicht an alles konnte/wollte ich mich gewöhnen. Aber was mir aufgefallen ist: das macht unglaublich satt… viel satter als ein Joghurt mit Obst der ein Toast mit Marmelade natürlich. Meistens esse ich in der Woche koreanisches Frühstück und am Wochenende eher „wie zu Hause“. An Kimchi und andere richtig kräftige Zutaten zum Frühstück jedoch kann ich mich sicher nicht gewöhnen. Und wisst ihr auch, weshalb? Ich verrate es euch: Neben Chili gibt es noch zwei Dinge, die man hier in Korea liebt: Fisch und Knobi. Alles drei zusammen verbindet sich – und ich sage euch, das ist echt hart, wenn man morgens um sieben in einen Bus steigt- zu einem Duft, den Ausländer scherzhaft als „the Korean Perfume“ bezeichnen.

Aber kommen wir mal zu meinen Favoriten: mein allerliebstes Abendessen, Mittagessen, Zwischendurchessen und wenn-eigentlich-gar-kein-Hunger-da-ist-Essen sind diese Hähnchenspieße: Es gibt sie mit einer scharfen Würzung und einer Soja-Honig-Soße und beide Varianten schmecken einfach göttlich! Es gibt sie an so ziemlich jeder Straßenecke für umgerechnet 1,50 €/Stück und klassisch werden sie mit Frühlingszwiebeln zubereitet. Und das hier wäre kein Foodblogartikel, wenn ich euch nicht hier und jetzt versprechen würde, dass ich die für euch zu Hause nachkoche!

Ich habe mir bereits von koreanischen Kollegen die besten Rezepte ihrer Mütter geben lassen. Das geht übrigens sehr einfach, da die meisten Koreaner durch die hohen Mietpreise und die hohen Kosten für ein Studium meist zu Hause wohnen, bis sie heiraten und so noch im Alter von 30 oft vom Wissen ihrer „Muttis“ jeden Tag profitieren. Und da liegt auch schon der Grund für all das grandiose Streetfood hier (naja, ist wie mit dem Huhn und dem Ei), das übrigens nicht mit den 12€-Pulled-Pork-aus-stylishen-Foodtrucks-auf-überfüllten-Großstadtevents zu tun hat: Die Leute kochen viel weniger selbst, weil sie wenig Platz haben und allgemein wenig Zeit zu Hause verbringen. Das mag auf dem Land noch etwas anders sein. Aber hier in Seoul bedeutet Essen= ab nach draußen.

Wie gesagt, die meisten Koreaner haben zum Beispiel gar keinen Ofen. Wer Kuchen will, MUSS also zum Bäcker. Und mit Käse wurde hier bis vor einiger Zeit ohnehin nix überbacken. Apropos… manchmal merkt man den westlichen Einfluss im Essen doch sehr: während die Koreaner normalerweise eher fettes Fleisch bevorzugen (Nackensteak kostet im Supermarkt doppelt so viel wie Schweinefilet) und das dann aber mit sehr fettarmen Gemüsebeilagen kombinieren, ist es in Europa ja eher andersherum- wie braten und eine Hähnchenbrust und ertränken sie in Sahne-Käse-Soße. Das erhält nun auch hier Einzug, aber das fette Fleisch bleibt. Das Ergebnis sind dann Kreationen wie diese: Panierter Schweinebauch, gefüllt mit Käse. Autsch. Nach wenigen Stücken streikte mein Magen. Und wirklich gut scheint es den Koreanern nicht zu bekommen, sind doch auch hier Übergewicht und Volkskrankheiten auf dem Vormarsch… wenngleich auch noch auf deutlich niedrigerem Level als in Europa.

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