Kaiserswerther Kunstpreis 2011 geht an Barbara Rapp

"Frauenbild zu entsorgen"

Von Peter Joerdell für R2-Bildungsbürger

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Fotos: Barbara Rapp

Frauen-Figuren in Barbara Rapps Werk: Gesellschaftskritische Analyse der Geschlechterrollen.

Düsseldorf. Weibliche Akte mit grotesk überzeichneten Geschlechtsmerkmalen in expressivem Rot, ein weit aufgerissener, grell geschminkter Mund oder wulstige Lippen sind die witzig-schockierenden Motive, mit denen die Mixed-Media Künstlerin den Schönheitswahn unserer Zeit thematisiert. Auch das Zusammenleben von Mann und Frau macht Barbara Rapp – abseits verbitterter Opferrollenmelancholie – zum Sujet ihrer Arbeit.

„Barbara Rapp wirft in ihrem Malzyklus „Frauenbild zu entsorgen“ Fragen zum Verhältnis Mann–Frau auf, ohne absolute Antworten geben zu wollen“, erläutert Gottfried Böhmer, Kurator und Mitinitiator des Kunstpreises, und fährt fort: “Ihre gesellschaftskritische Analyse der Geschlechterrollen würzt sie mit einem gehörigen Schuss Selbstironie und Humor; das ist inhaltlich einfach großartig und malerisch passend umgesetzt.“

Rapps Schaffen klagt die immer noch bestehenden Missverhältnisse zwischen den Geschlechtern an

Das Thema der weiblichen Souveränität und die selbstbestimmte Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität ziehen sich wie ein roter Faden durch Rapps Schaffen, das um die Rolle der Frau in der heutigen Zeit kreist. Denn allen Errungenschaften der Emanzipationsbewegung zum Trotz bestehen in vielen Bereichen noch immer Missverhältnisse zwischen den Geschlechtern – sei es auf dem Arbeitsmarkt, der für gleiche Arbeit häufig unterschiedliche Gehälter zahlt und Führungspositionen nach wie vor unterdurchschnittlich weiblich besetzt, sei es im gesellschaftlichen Bereich, der die Kindererziehung und Familienpflege in erster Linie von den Frauen erwartet.

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Foto: Barbara Rapp

Barbara Rapp thematisiert das Missverhältnis zur Weiblichkeit in der modernen Welt.

Darüber hinaus thematisiert Rapp den immer exzessiver werdenden Schönheitswahn, der rasant um sich greift und sich immer mehr auf medial veränderte „Photoshop“-Ideale versteift. Mode, Kosmetik und Chirurgie helfen da nach, wo die Natur nicht perfekt genug ist. Gerade noch nicht in sich gefestigte Frauen geraten oft in den Strudel einer sich selbst gesetzten Idealvorstellung, die sich den von außen vorgegebenen optischen Zielen anpassen zu müssen glaubt. Die sich zur Schau stellende Weiblichkeit ist ein Thema, das immer wieder in Rapps Arbeiten auftaucht – Brüste, allein oder auf „Strichkörpern“, und nackte Körper überall, die dem Blick des Betrachters dargeboten werden. Durch ihre Überpräsenz und die verzerrte Darstellung – die weiblichen Figuren scheinen fast nur aus Kopf und Brust zu bestehen – wird die ständige Verfügbarkeit des (meist) weiblichen Körpers, wie sie aus Mode und Medien vertraut ist, überzeichnet und karikiert. Das passive Darbieten wird zum aktiven und provokanten Zeigen – mit einer gehörigen Portion Selbstironie.

Kaiserswerther Kunstpreis

Der ausschließlich Künstlerinnen vorbehaltene „Kaiserswerther Kunstpreis“ wird in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben. Den mit 5.000 € dotierten Preis loben die Kaiserswerther Ärzte Dr. Afschin Fatemi und Professor Dr. Martin Jörgens gemeinsam mit der Redaktion des Online-Portals Freunde der Künste aus.

Mehr Infos im Web:

www.freundederkuenste.de

www.barbara-rapp.com

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